Lüsenser Fernerkogel Nordwand - Eisschlauch-Deluxe gefällig?

Die erst kürzlich Erstbegangene Tour (November 2016) hatte schon eine ganze Weile gute Bedingungen. Wir hatten nur entweder keine Zeit oder abschreckende Berichte von immensen Stein- und Eisschlag wegen enormer Frequentierung an Wochenenden, ließen uns abwarten. Wie von einer magnetischen kontinuierlich-unterbewusst arbeitenden Anziehungskraft kreisen die Gedanken immer wieder um die Neutour, bis es uns – wie könnte es anders sein – schließlich doch zum Gasthaus Lüsens am 03.01.2017 verschlägt. Eine Begehung, bevor der große Schnee des sich noch Zeit lassenden Winters den guten Bedingungen den gar ausmacht, wäre wahnsinn.

Wir starten bereits um 5:45 Uhr. Vor uns stapft eine weitere Seilschaft Richtung Westfahlenhaus. Dankbar bequemen wir uns in ihrer Spur, die besonders nach Verlassen des Weges, kurz nach der Lengenfelder Alm, eine deutliche Erleichterung ist. Der Zustieg bleibt bei den paar Zentimetern Neuschnee, die über Nacht gefallen sind, bis zum Einstieg anstrengend und kräfteraubend.

Die erste Seillänge sichern wir. Es herrschen super Bedingungen und aufgrund der vielen Begehungen im Vorfeld finden sich genug Löcher, um mit den Eisgeräten kraftsparend hooken zu können. Die zweite und die dritte Seillänge werden – nach dem ersten guten Eindruck – Simultan überwunden und schon befinden wir uns vor der ersten Mixedlänge (Schlingenstand am Fels, Normalhaken und Keil). Im unteren Teil befindet sich noch einiges an Eis, doch der Ausstieg aus der Verschneidung hat es in sich. Kräftig muss über den rechten Fuß aufgestanden werden, bei nur schlechten Haltepunkten der Eisgeräte. Gute Sicherungsmöglichkeiten durch Eisschrauben und Friends entschärfen die moralischen Ansprüche etwas.

Die zweit Mixedlänge, beide als M 6 eingestuft, verlangt saubere Steigeisentechnik auf plattigen Fels und einen guten Kopf. Zuerst eine Verschneidung folgend, in der sich zwei Normalhaken befinden, muss im Anschluss auf Reibungstritten mit guten Hookmöglichkeiten der Eisgeräte am Fels nach rechts eiernd in eine Platte gequert werden (Achtung Seilreibung). Auf halber Strecke lassen sich zwei Friends legen, die sogleich die nervliche Hochspannung dankbar reduzieren. Über besser werdende Tritte steigt man einen steilen Meter empor, ehe sich das Gelände die wenigen Meter bis zum Standplatz zurücklehnt (Schlingen, kann durch Friend verstärkt werden). In einer kurzen Seillänge gelangt man zum Schneefeld, dass bis zum Gipfel führt.

Mit einem 60 Meter Seil, kann von hier direkt bis zum Schlingenstand abgeseilt werden. In weiteren drei „Abseilern“ gelangen wir zum Wandfuß und zu unseren Rucksäcken. Im letzten Licht erreichen wir das Auto. Eine klasse Tour und ein phänomenaler Start ins neue Jahr – jetzt kann der Schnee kommen...

Nachdem der Zustieg bereits anstrengend war und viel Zeit in Anspruch genommen hat, sparen wir uns die letzte leichte Seillänge sowie die dreihundert Höhenmeter zum Gipfel des Lüsenser Fernerkogel. Das Zeiteisen drängt ohnehin, wenn wir noch im Tageslicht am Auto ankommen wollen.

Topo: http://www.bergsteigen.com/eisfall/tirol/stubaier-alpen/luesener-fernerkogel-nordwand

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Kas’marie

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